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Schwerer und gefahrvoller Holztransport mit dem
Handschlitten aus dem steilen Arzbachtal in das
Dorfzentrum (um 1955)

Die Saalach mit ihrem Quellgebiet in Hinterglemm,
den größeren beckenartigen Talräumen, Hochtälern
und zahlreichen mehr oder weniger tief eingeschnitt-
enen, schluchtartigen Nebenbächen, ist eine vom
Gletscher ausgebildete Landschaftseinheit. Bis zur
endgĂĽltigen, kontinuierlichen Besiedelung war der
Talraum noch ĂĽberwiegend sumpfiges Land. Die
Auwälder waren mit ihrer eigenen Bestockung
bewachsen. Die steilen Nordeinhänge und Hochlagen
wiesen mit den Seitentälern Waldbestockung auf,
wobei die Fichte als Baumart bereits dominierte.
DarĂĽber hinaus bestanden die in diesem Raum
bekannten Pinzgauer Grasberge mit ihre Almmatten.
Zahlreiche Streufunde belegen urzeitliche Saum-
pfade
nomadisierender Jäger, Sammler und Fischer.

Traditionelles Handwerk der Bergbauern
(Holzschindelerzeugung).

Viele Kapellen, Bildstöcke und Wegkreuze
schmücken die Hänge an der Saalach. Die
Niederbrandkapelle beim Niederbrandgut auf
der Sonnseite erfreut sichbesonderer Beliebtheit.

Die Besiedelung von Viehhofen reicht urkundlich bis
in das 13. Jahrhundert zurĂĽck. Um 1211 wird erst-
mals das Rotenbachlehen genannt. Die Besonderheit
der Besiedelung Viehhofens begrĂĽndet ihre Eigenheit
bis in die Altbronzezeit (1800-1250 v. Chr.) und die
nachfolgende Urnenfelderzeit (1250-750 v. Chr.) auf
den mehrere hundert Jahre betriebenen Kupferberg-
bau
, der um das Jahr 1000 - 700 v. Chr. seine Hoch-
blüte erreichte. Mit primitivsten Fundgegenständen
(Granitfindlingsplatten mit mittig schĂĽsselartiger
Eintiefung und Faustkeilen aus Eichenholz) haben die
Menschen zuerst oberflächliche Bruchstücke
gesammelt und später aus Erdstollen Gesteins-
massen gefördert. Diese wurden von wertvollem
Material getrennt und danach geschmolzen. Die
Arbeitsplätze dieser Handwerker werden heute noch
als Scheide- und Schmelzplätze bezeichnet. Berühmte
Fundstellen ĂĽber und um Viehhofen sind u. a. die
Wirtsalm, der SĂĽdabhang der Sausteige, die Tenn-
stallalm, Kressenbrunn, die Weberalm sowie die
Stoffentax – ein dolinenartig eingebrochenes Wald-
gebiet, indem verlassene unterirdische Abbaugruben
am rechten Saalachufer, unmittelbar sĂĽdlich vom
Dorf gefunden wurden. Mit Blick gegen den Sonnberg
kann man die ĂĽberwachsenen Bergbauhalden, die
wie „Buckelfluren aussehen, gut erkennen. Diese
Bergseite nennt man den „Altenberg“. Es ist jener
Berg, den die „alten“ Bewohnervorfahren erheblich
ausgebeutet haben. Die an diesem Steilhang
angesiedelten Bauern Lehen nennt man „Altenberg-
bauern“. Es ist der Weiler Altenberg mit „Vorder-,
Mitter- und Hinterhaus. Der westlich davon herab-
stürzende Bach ist der „Arzbach“, dessen Namen aus
dem Erzbergbau hergeleitet wurde (siehe auch das
Gemeindewappen Viehhofens).

Wirtsalm (Mitterhausalm) – Bergbau über Tag

Altenberg mit Hinterhaus (1), Mitterhaus (2),
Vorderhaus (3)
(überwachsenes Bergbau-Abraumgelände). Der
Name Altenberg ist heute ein allgemein verbreiteter
Name. Er kommt vom Gut Altenberg in Viehhofen
und stammt vom „Bergbau der Alten“. Die ersten
Bauern auf diesem Lehen im Glemmtal nannte
man die „Altenberger“. Sie gehen auf die Zeit um
1300 n. Chr. zurĂĽck.

Im 6.-8. Jahrhundert besiedelten die Bajuwaren den Pinzgau. Vor allem das fruchtbare Becken von Saalfelden,
das zum Teil erste Rodungsflächen aufwies, wurde hierfür ausgemacht. Es waren vor allem Bauersleute aus
dem Voralpenland (dem heutigen Rupertiwinkel und Flachgau), die sich in das Innergebirge wagten. Weitere
Talböden wurden in Acker- und Weideland kultiviert, höhere Lagen als Almen eingerichtet. Diese intensive
Rodungstätigkeit prägte bereits das Saalachtal und verwandeltelte es in ein Kulturland.
Wenngleich aus der Zeit des Erzbaues keine Spuren einer sesshaften Wohnbevölkerung nachzuweisen sind,
darf angenommen werden, dass sich die Bergbautätigen zumindest zeitweise vor Ort angesiedelt haben
dĂĽrften. Ein Erzbergbau, wie er im Raum Viehhofen intensiv betrieben worden ist, kann nicht ĂĽber Jahrhunderte
ohne örtlich bodenständige Bevölkerung zurechtkommen. Nachdem das Erz hier auch zu Kupfer veredelt
worden ist, kam schließlich auch der Handel hinzu. Einfachste Unterstände bzw. Überdachungen aus Holz (vgl.
den Rindenkobel für Holzarbeiter aus jüngster Vergangenheit für Forstarbeiter) dürften für längere Zeit den
seinerzeitigen Umweltbedingungen gewachsen gewesen sein. Knüppeldämme überbrückten sumpfiges Gelände,
sodass auch von einer Wege-Infrastruktur primitivster Art auszugehen ist (siehe Infoanlage Maishofen).
Verweist uns doch das Reichenhaller Becken mit seinen Sohlequellen in die vorchristliche Zeit (Ende Jungstein-
zeit-Bronzezeit 2500-1500 v. Chr.) in kulturelle Parität mit Bad Reichenhall im Saalachtal.
Es war die Welt der Bauern und Hirten, als gegen 700 v. Chr. die Kenntnis der VerhĂĽttung und Bearbeitung des
Eisens nach Mitteleuropa kam. Dadurch geriet auch die Wirtschaft der späten Bronzezeit (1800-750 v. Chr.) in
Konkurrenz. Das für Bronze benötigte Kupfer war in Mitteleuropa nur an wenigen Stellen vorhanden. Die
bedeutendsten Erzlagerstätten waren im Land Salzburg; hier wiederum war es Viehhofen, wo das Erz in Kupfer
veredelt wurde. Als sich das Eisen wegen seines umfangreichen Vorkommens in ganz Mitteleuropa und des in
verschiedenen Formen einfachen Verarbeitung (z.B. Wagenbeschläge, Lanzenspitzen, Schwerter usw.) durch-
setzte, war Bronzein erster Linie nur noch fĂĽr Schmuck (das aus Kupfer und Zinnlegierung bestand) gefragt.
Zinn musste damals aus Cornwall (England) eingeführt werden. Während des 1. Jahrhunderts v. Chr. gerieten
die Festlandkelten unter fremde Herrschaft. Das keltische Volkstum ging hier im Voralpenland östlich des Inn
mit Übernahme der zivilisatorischen Errungenschaften der Römer friedlich im Kaiserreich auf. Vor allem im
ländlich bäuerlichen Bereichen lebte jedoch die keltische Sprache und die geistig-religiösen Sitten noch einige
Jahrhunderte (bis etwa 3. Jh. n. Chr.) nach.
 

Mehr Informationen zur EUREGIO

Ein grenzĂĽberschreitendes Projekt
aller Gemeinden an der Saalach
im Rahmen der EuRegio Salzburg -
Berchtesgadener Land - Traunstein
mit UnterstĂĽtzung des Regional-
managements Pinzgau

Mehr Informationen zur REGPI

Gefördert von der
Europäischen Union
mit Mitteln aus dem
Europäischen Fond für
regionale Entwicklung
EFRE (INTERREG)

Bilder und Text: Franz Schned, Bischofs-
wiesen und L. Hohenwartner, Unken
Gestaltung: Claudia Birndorfer, Pocking
Druck: Fa. Seeleitner, Oberndorf
Umsetzung Web:
Chiemgau-Websites