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Pinzgauer Alm
„Kaskessel“ mit
Hüterbuben,
daneben offene
Feuerstelle
mit Kochkessel
und Sennerin, das
Milchgeschirr in
einem „Sechter“
abwaschend.

Noriker auf der Weide

Grund und Boden sicherten nach wie vor das tägliche
Brot. Neben dem Ackerbau nahmen die Viehzucht
und das Pferd eine besondere Stellung ein. Hinzu
kamen Säumerdienste als Nebenerwerbsquellen
außerhalb der sommerlichen Landbewirtschaftungs-
zeit. Mit dem durchtrainierten Noriker Pferd konnte
der Bauer die Transporte aus dem Süden über-
nehmen. Im 16. Jh. waren nach Aufzeichnungen
jährlich 9.600 Säumer über den Tauernpass unter-
wegs (heute spräche man von Frächtern).

Die Säumerei galt als alter bäuerlicher Nebenerwerb.
Die Hohlweger Bauern mit ihren Rossen machten
ihre Säumergeschäfte aber auch im Handel und
Verkauf. Um den Salzhandel der Fuhrleute zu
erschweren, ließ der Pfleger 1689 einen Schranken
einrichten und Wächter aufstellen um den Waren-
verkehr der Säumer zu kontrollieren. Zu Beginn des
17. Jahrhunderts wurden in unmittelbarer Umgebung
von Frohnwies bei St. Martin Zollschranken errichtet,
um die unerwünschte Salzdurchfahrt aus Berchtes-
gaden zu unterbinden. Der Salzhandel im Markt
Saalfelden sah natürlich auch die bäuerliche
Konkurrenz in diesem Gebaren.

Bis zu der Zeit war der Bauernstand dem Grund-
herren gegenüber zins- und abgaben pflichtig. Erst
allmählich kam es zu einem einheitlichen Bauern-
stand, dem verbesserte Anbaumethoden, inten-
sivere Tierhaltung und gute Absatzmöglich keit für
seine erzeugten Produkte zu bescheidenen Wohl-
stand verhalfen. Im 18. Jh. brachte auch der Pferde-
verkauf gute Einnahmen. Seuchen und Kriege (z.B.
Pest, Bauernaufstand, Protestantenbewegung, napo-
leonische Kriege, Marktbrände) im Pinzgauer
Saalachtal brachten für die gesamte Bevölkerung
erhebliche Rückschritte. Trotzdem waren auch
damals Bescheidenheit, Fleiß und das Wissen um
die Zukunft von Bedeutung. Saalfelden hat viele
hervorragende Persönlichkeiten im öffentlichen
Leben hervorgebracht.

Landwirtschaftl. Musterbetriebe mit Mechanisierung,
Spezialisierung und gutem Düngereinsatz erreichten
eine erfolgreichere Produktionssteigerung. Die
örtliche Struktur war der „bäuerliche“ Marktlandwirt
mit einem Gewerbe. Um 1950 haben viele ihren
Grundbesitz für eine Betriebsinvestur veräußert, da
sich die Kostenschere der Industrieprodukte zu den
Eigenerzeugnissen immer ungünstiger gestaltet
hatte. Die Umlanddörfer haben sich im Wesentlichen
in ihrer Grundstruktur erhalten.

Wenn von der bäuerlichen Landbewirtschaftung im
Pinzgau die Rede ist, muss man den Wald und
seine Nutzung mit einbeziehen. Seit Anbeginn
nutzten die Bayernherzöge als Landesherren die
Wälder im Saalachtal (12./13. Jahrhundert) zur
Energieversorgung der Salzsudpfannen in Reichen-
hall. Brennholz war über Jahrhunderte die einzige
Energiequelle. Als im Jahr 1228 der Pinzgau im
Saalachtal zum Erzbistum Salzburg kam, blieben die
Nutzungs- und Besitzrechte der Saline Reichenhall
weiterhin gewidmet.

Mehrere Verträge und zahlreiche Verhandlungen
dienten dazu, die überlieferte Nutzung und Bewirt-
schaftung der Saalforste, wie sie genannt werden,
eindeutig zu regeln. Der Holztransport nach
Reichenhall erfolgte mit einem ausgeklügelten
Triftsystem auf der Saalach und ihren Nebenbächen
seit 1529. Mit dem Bau der Kiblinger Talsperre für
den Saalachstausee (1911) ging die Trift zu Ende.
 

Sennerinnen mit Kleintieren vor der Alm


Lieferung von Brennholz nach Reichenhall
für die Befeuerung der Sudpfannen:

1521   121.440 Ster
1621   300.960 Ster
1727   109.660 Ster
 

Reitergruppe Saalfelden

Im Jahr 1829 kam es schließlich zum Abschluss
der Salinenkonvention. Darin wurden u.a. end-
gültig die Besitzverhältnisse, Forst-, Weide- und
Almrechte sowie das Triftwesen zwischen dem
Königreich Bayern und dem Erzstift Salzburg
geregelt. Im Jahr 1957 wurde die Salinenkon-
vention den geänderten Verhältnissen angepasst.
Die bisherigen Eigentums- und sonstigen Rechts-
verhältnisse wurden ausdrücklich bestätigt.

Die Bayerischen Saalforste erstrecken sich heute
auf beiden Seiten der Saalach zwischen der
bayerischen und tiroler Grenze in Nord bis zum
Höhenzug zwischen Leoganger Tal und Glemmtal
im Süden. Auf Saalfeldener Gemeindegebiet
verblieb der Distrikt Buchweißbach mit einem
Waldgebiet von 1.267 ha. Die Gesamtfläche der
Saalforste beträgt 18.500 ha. Die Weiderechte
auf den Almen und den umliegenden Wäldern
üben Saalfeldener Bauern aus. Fixierte Holzbe-
zugsrechte bestehen im Buchweißbach für 53
Saalfeldener Bauern. Vier Almen sind nach Bedarf
eingeforstet.

Jährlich werden Bau-, Zeug-, Zaun- und Brennholz
abgegeben. Der jährliche Gesamteinschlag der
Bayerischen Saalforste beträgt rund 35.000 fm
(ohne Rinde). Das Holz wird fast ausschließlich an
österreichische Sägewerke und holzverarbeitende
Betriebe verkauft. Naturschutz und Landschafts-
pflege sind für die Forstverwaltung in St. Martin
bei Lofer eine herausragende Tätigkeit. Der
gepflegte Wald mit etwa 220 km Wander wegen
und Steigen hat sich zu einer tragenden Säule
des Fremdenverkehrs in Saalfelden und darüber
hinaus für das gesamte Saalachtal im Pinzgau
günstig entwickelt.

In der Chronik der Stadtgemeinde Saalfelden
heißt es in der Zusammenfassung: „Die Bayer-
ischen Saalforste sind seit jeher ein bedeutender
Wirtschaftsfaktor im Saalachtal. Aber auch nicht
nur wirtschaftlich, sondern auch im öffentlichen
Leben haben sie einen festen Platz und stellen
ein verbindendes Glied zwischen Bayern und
Salzburg.“ Dem braucht wohl in Bezug auf
gemeinsamen Kulturraum nichts mehr hinzu-
gefügt werden.

Arbeiter beim Triften
im Buchweißbach

Buchweißbach

Saumzug (Sgraffito am alten Saumgasthof
Adrelwirt in Rauris/Wörth)

Mehr Informationen zur EUREGIO

Ein grenzüberschreitendes Projekt
aller Gemeinden an der Saalach
im Rahmen der EuRegio Salzburg -
Berchtesgadener Land - Traunstein
mit Unterstützung des Regional-
managements Pinzgau

Mehr Informationen zur REGPI

Gefördert von der
Europäischen Union
mit Mitteln aus dem
Europäischen Fond für
regionale Entwicklung
EFRE (INTERREG)

Bilder und Text: Franz Schned, Bischofs-
wiesen und L. Hohenwartner, Unken
Gestaltung: Claudia Birndorfer, Pocking
Druck: Fa. Seeleitner, Oberndorf
Umsetzung Web:
Chiemgau-Websites