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An den alpinen GewÀssern nehmen die Auen
meist einen breiten Raum ein und es bilden sich
auf ausgedehnten KiesbÀnken erste AnsÀtze einer
sogenannten Weichholzaue – auf höheren Stand-
orten die Hartholzaue – aus.
Wie bereits der Name sagt, besitzen die Gehölze
der gewÀssernahen Weichholzaue, zu denen vor
allem die raschwĂŒchsigen Weidenarten gehören,
ein weiches, verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig leichtes Holz. Im Voralpenland wird die Weichholzaue hĂ€ufig vom
Grauerlen-Auwaldgebildet.
Die höher gelegenen Überschwemmungsbereiche
der Naturlandschaften bezeichnet man als Hart-
holzaue. Sie zeichnet sich durch krÀftige, dauer-
hafte Baumarten wie Esche, Ahorn und Eiche aus.
Auen werden wesentlich von den naturrÀumlichen
Faktoren des Einzugsgebietes, wie Klima,
Geologie, Relief und Vegetation sowie von der
Talform bestimmt.

Typischer Nassauwald

Gut erstellte Aufstiegs-
hilfe (Solrampe) fĂŒr
Wandermöglichkeiten
der Flusstiere (Fische
etc.)

Waldpflanzen waren die ersten Arzneimittel des
Menschen seit Jahrtausenden (Wanderer beim
BĂ€rlauchpflĂŒcken)

GrabenbachmĂŒndung mit FrĂŒhjahrsblĂŒher
(Buschwindröschen)

Absterbender Eschenbestand zu Gunsten der
artenreichen Nassaue

Die AuwÀlder im Raum Bad Reichenhall liegen an
der von SĂŒdwest nach Nordost verlaufenden
Saalach auf einer Meereshöhe von ca. 450 m.
Daraus ergibt sich ein ausgeglichenes Klima
inmitten hoher GebirgszĂŒge. Bei einer durch-
schnittlichen Jahrestemperatur von 8° C liegt die
Niederschlagsmenge zwischen 1200 und 1400 mm
pro Jahr. Geologisch stocken die AuwÀlder auf
eiszeitlichen Ablagerungen. ZunÀchst waren diese
Schotter mit abnehmender Fließgeschwindigkeit
der Gletscherströme Kies und Sand. RegelmĂ€ĂŸige
Überschwemmungen der AuwĂ€lder fĂŒhrten zu
Ablagerungen von nÀhrstoffreichen Feinteilen
sogenannten Sedimenten. Durch die Eindeichung
der Saalach (Saalachstausee) und der daraus
folgenden Eintiefung der Flußsohle fehlten diese
SedimentationsvorgÀnge. Ein brauner Auen-
lehmboden entwickelte sich – Auenbraunerde
genannt.

Die ursprĂŒngliche Waldvegetation bestand aus
wÀrmeliebenden Gehölzen, wie die Sommerlinde,
Stieleiche im sĂŒdlichen Teil sowie Eschen und
Ulmen im nördlichen Teil. Grauerlen waren und
sind an den AltwasserrĂ€ndern zu finden. KĂŒnstlich
begrĂŒndete Fichten- und Pappelforste ersetzten
in weiteren Teilen diese natĂŒrlichen Waldgesell-
schaften. Die heutige Forstwirtschaft des Forst-
amtes Berchtesgaden ist darauf ausgerichtet,
die ursprĂŒngliche Laubholzgesellschaft mit einer
vielstrukturierten, natĂŒrlichen Kraut- und Strauch-
schicht wieder herzustellen. Im Zuge der Rena-
turierung der sogenannten Marzoller-Au im Land-
schaftsschutzgebiet „Saalachauen, nördlich von
Bad Reichenhall“, wurden umfangreiche Biotope
unterschiedlicher GewÀsser erstellt. Je nach Ver-
dichtung der durchlÀssigen Auböden und weiterer
Flutungsabschnitte hat sich ein artenreicher
Pflanzenbewuchs eingestellt, dem die nassau-
typische Fauna gefolgt ist.

Vegetationszustand nach 20-jÀhriger Flutung

Unbeeinflusster natĂŒrlicher Aufwuchs

Die Vielfalt der AugewÀsser wird in erster Linie von
den Hochwasser- und GrundwasserverhÀltnissen
aber auch durch zufließende BĂ€che bestimmt. Nach
RĂŒckgang des Hochwassers bleiben in der Au
abflusslose Mulden, Senken, TĂŒmpel und Altwasser
noch eine lĂ€ngere Zeit mit Wasser gefĂŒllt zurĂŒck.
AltwĂ€sser sind Bestandteile naturnaher Flußauen,
die durch die Dynamik vor allem an mÀandrieren-
den FließgewĂ€ssern entstehen. Sie sind entweder
mit dem HauptgewÀsser verbunden und werden
daher durchströmt oder bei Hochwasser immer
wieder ĂŒberschwemmt. Sie sind oft nur noch mit
dem Grundwasser in Verbindung.

Die sog. “Marzoller Au”, im Landschaftsschutz-
gebiet Saalachauen, nördlich von Bad Reichenhall,
einstige Nassaue, hat sich im Verlauf der letzten
hundert Jahre zu einer Hartholzaue entwickelt.
Aufgrund systematischer Verbauung der Saalach
und der GeschieberĂŒckhaltung durch das Kieblinger
Kraftwerk mit Speichersee (Saalachsee) hat sich
das Flussbett so weit eingetieft, dass weder Hoch-
wasser das Waldgebiet noch fluten konnte, das
Grundwasser die ehemaligen Altwassermulden
nicht mehr fĂŒllte.

Der Bezirksfischereiverein Saalachtal e. V. Bad
Reichenhall hat als anerkannter Naturschutzverein
(GewÀsser- und Artenschutz) zusammen mit der
Staatsforstverwaltung als GrundeigentĂŒmerin, der
Stadt Bad Reichenhall, dem Bezirk Oberbayern,
dem Straßenbauamt Traunstein, in technischer
AusfĂŒhrung dem Wasserwirtschaftsamt Traunstein
und als MaßnahmetrĂ€ger dem Landkreis Berchtes-
gadener Land die Au in den Jahren 1980 - 2000
durch WiederbewÀsserung renaturiert. Aus den
ZubringerbÀchen wurde das Wasser ausgeleitet
und unterstromig diesem wieder zugefĂŒhrt, wobei
die noch deutlich sichtbar gewesenen AltwÀsser,
Mulden und dergleichen geflutet wurden.

Durch diese 20-jĂ€hrige Maßnahme hat sich der
Auwald in vielfÀltigster Weise zu einem Refugium
entwickelt, das fĂŒr viele vom Aussterben bedrohte
Tiere und Pflanzen Lebensraum geworden ist.
Stille Besucher, ob Einheimische oder GĂ€ste,
schĂ€tzen die “kleine wilde Au” in unserer Kultur-
landschaft. Nachdem die ursprĂŒnglichen Flutungs-
vorgĂ€nge der Saalach aus ObjektschutzgrĂŒnden
(KlÀranlage der Stadt Bad Reichenhall) nicht wieder
hergestellt werden konnten, werden sich die durch
WiederbewÀsserung entstandenen Biotope
(LebensrÀume) in ihrer Eigendynamik entwickeln.
Die Eigenart dieser werdenden Au grĂŒndet sich nun
auf die vorhanden unterschiedlichen GewÀssertypen,
die sich naturnah und unbeeinflusst, selbststÀndig,
in ihrer bereits deutlichen erkennbaren Vielfalt von
Flora und Fauna gestaltet. Viele nicht mehr
vorhanden gewesene Vogelarten, Amphibien,
Schmetterlinge, Libellen, Kleinfische und Pflanzen
haben sich wieder eingestellt.
 

Mehr Informationen zur EUREGIO

Ein grenzĂŒberschreitendes Projekt
aller Gemeinden an der Saalach
im Rahmen der EuRegio Salzburg -
Berchtesgadener Land - Traunstein
mit UnterstĂŒtzung des Regional-
managements Pinzgau

Mehr Informationen zur REGPI

Gefördert von der
EuropÀischen Union
mit Mitteln aus dem
EuropĂ€ischen Fond fĂŒr
regionale Entwicklung
EFRE (INTERREG)

Bilder und Text: Franz Schned, Bischofs-
wiesen und L. Hohenwartner, Unken
Gestaltung: Claudia Birndorfer, Pocking
Druck: Fa. Seeleitner, Oberndorf
Umsetzung Web:
Chiemgau-Websites