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Piding vor dem Hochstauenmassiv, um 1910

Türkenbund-Lilie

Von Bayernherzögen, den römisch-deutschen
Kaisern und Königen reich beschenkt, wird im Jahr
789 Salzburg als reichstes Bistum in Bayern zum
Erzbistum und zur Metropole der bayerischen
Kirchenprovinz erhoben. Auf dem Höhepunkt seiner
Macht strebte der Metropolit (Erzbischof Salzburgs)
über die bayerischen Bistümer die Loslösung von
Bayern an, die ihm mit der urkundlichen Nennung
1342 auch gelang.

Die Abgrenzung der Herrschaftsgebiete der bayer-
ischen Herzöge und dem erzbischöflichen Salzburg
fand in den Verträgen von Erharting (1254-1275)
seinen Abschluss. Bei den Gebietsauseinander-
setzungen außerhalb des geschlossenen Erzbis-
tums blieb nach 1218 die überwiegend im Besitz
der Salzburger Erzbischöfe befindliche Salinen-
stadt Bad Reichenhall im Herzogtum Bayern, wie
auch Mühldorf, wo sie sich bis zur Säkularisation
1803 ihr Hoheitsrecht bewahren konnten.

Andererseits konnte sich Salzburg u.a. das Erbe
der Grafen von Plain sichern. Im Jahr 1306 wird
die Fürstprobstei Berchtesgaden erstmals als Land
bezeichnet. Es bestand, mit kurzzeitlicher Einverlei-
bung in das Erzstift Salzburg, bis 1803 als freies
Fürstentum, dessen geschlossener Besitz im
Westen bis an die Saalach, im Norden bis nach
Wals (Fixpunkt Walserkirchenhügel) und im Osten
bis an die Salzach reichte. Verschiedenen Randge-
biete gehörten jedoch nur zur Grundherrschaft des
Stiftes Berchtesgaden.

Sie waren insofern nicht Teile des politischen
Landes. Es ist zwar heute keine selbständiges
Land, so haben die seinerzeit festgelegten
Grenzen als Staatsgrenze zwischen Deutschland
und Österreich und als Landesgrenze zwischen
Bayern und Salzburg bis heute ihren festen
Bestand. Die im Frieden von Campo For mio
1797 in Aussicht genommene Säkularisation des
Erzstiftes Salzburg wurde 1803 verwirklicht. Der
letzte Erzbischof von Salzburg unterzeichnete in
Wien sein Abdankungspatent. Am 1. Februar 1803
hörte der geistliche Staat Salzburg zu existieren auf.

Luftaufnahme Piding 1956

Lilie

1804 wird das selbständige Pfleggericht Staufeneck aufgelöst. Der Bezirk
östlich der Saalach, einschließlich der großen Gmain und das Urbaramt
Reichenhall werden dem Stadtgericht Salzburg zugeteilt. Die verbliebenen
Teile kamen zum Pfleggericht Teisendorf. Dieses wird 1818 aufgelöst und
nahezu vollständig dem Landgericht Laufen integriert. Die Steuerdistrikte
Anger, Högl und Piding wurden dem Landgericht Reichenhall eingegliedert.

Das Ansuchen auch Ainring nach Reichenhall einzugliedern scheiterte am
Widerstand der Bevölkerung, die lieber den weiten Weg nach Laufen in
Kauf nahmen. Dort war auch gleichzeitig der Sitz des Rentamtes. Außerdem
hätten sie umgekehrt den Weg zum Rentamt nach Berchtesgaden auf sich
nehmen müssen. Auch die Bedenken, die Pfarrei könnte dadurch aufgeteilt
werden, waren mit ein Grund für ihre Entscheidung.

Die Neuordnung im Königreich Bayern brachte die Gewaltenteilung. Rechts-
pflege und Verwaltung wurden voneinander unabhängig. Es folgte die
Benennung der Amtsgerichte und Bezirke (Landkreise). Mit der aufge-
zeigten Steuerdistrikteinteilung kam es zur Landkreisbildung. Der Land-
kreis Laufen mit Sitz in Laufen wurde ohne die Steuerdistrikte Anger, Högl
und Piding 1862 gebildet. Diese kamen zum Landkreis Berchtesgaden mit Sitz in Berchtesgaden. Nach Beendigung der napoleonischen Kriege wurde
Salzburg in das Königreich Bayern eingegliedert.

Nach fünfjähriger Zugehörigkeit zu Bayern kam es 1816 endgültig zu Öster-
reich. Die Gebiete westlich der Saalach und Salzach blieben bei Bayern.
1818 wird die Staatsgrenze flussmittig vermessen. Endgültig bereinigt und
festgestellt wurde auch die Grenze von Reichenhall nach Berchtesgaden am
Hallthurm. Österreich hat die Grenze auf dem „Dreisesselberg“ in das Tal
des Weißbach am so genannten „Fuchsstein“, wie sie auch heute noch
besteht, zurückgenommen. Die große Gmain wird geteilt. Bayerisch Gmain
und Großgmain werden zwei Gemeinden mit verschiedener Staatszuge-
hörigkeit. Dass dies Grenzziehung für die Bevölkerung nicht ohne Sorgen
abging, versteht sich.

Um die Jahrhundertwende (1909) wird der Gebietsname „Rupertiwinkel“
geboren. Mit der Gebietsreform 1972 wurde der Landkreis Laufen aufgeteilt.
Der nördliche Rupertiwinkel wird in den Landkreis Traunstein eingegliedert,
der südliche Teil in den Landkreis Berchtesgadener Land mit Verwaltungs-
sitz in Bad Reichenhall.

Die jetzigen Gemeinden Anger und Piding, mit den früheren Gemeinden
Aufham und Högl, befinden sich als ehemals salzburgische Gebiete folglich
im „Rupertiwinkel“ (siehe Gebietsabgrenzungskarte).

 

Mehr Informationen zur EUREGIO

Ein grenzüberschreitendes Projekt
aller Gemeinden an der Saalach
im Rahmen der EuRegio Salzburg -
Berchtesgadener Land - Traunstein
mit Unterstützung des Regional-
managements Pinzgau

Mehr Informationen zur REGPI

Gefördert von der
Europäischen Union
mit Mitteln aus dem
Europäischen Fond für
regionale Entwicklung
EFRE (INTERREG)

Bilder und Text: Franz Schned, Bischofs-
wiesen und L. Hohenwartner, Unken
Gestaltung: Claudia Birndorfer, Pocking
Druck: Fa. Seeleitner, Oberndorf
Umsetzung Web:
Chiemgau-Websites