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Mehr als in allen anderen Gemeinden des Pinzgau
hatte die lutherische Lehre in Leogang Anhänger
gefunden. Diese stammten vor allem aus der
Berufsgruppe der Bergknappen und Hüttenarbeiter.
Ihre politischen Führer waren die Gebrüder Hans
und Bartl Hoyer vom Mühlraingut. Durch ihren
Bekanntheitsgrad stand Leogang im Ruf, der
„ärgste Ketzerherd“ der Pflegschaft Saalfelden zu
sein. Am 12. August 1731 hatte sich in Saalfelden
eine größere Anzahl Evangelischer aus Saalfelden
selbst, aus Leogang und aus Maria Alm zur Augs-
burger Konfession bekannt.

Angeführt von Hans und Bartl Hoyer zogen sie zum
Dechantshof in Saalfelden und übergaben Dechant
Graf Gaisruck ein von allen unterschriebenes
Glaubensbekenntnis. Dabei soll es zu einem
Wortwechsel und der Androhung von Tätlichkeiten
zwischen den Gebrüdern Hoyer und dem Dechanten
gekommen sein. Dieser berichtete daraufhin am
19. August an den Erzbischof nach Salzburg,
wonach viele Untertanen dem Gottesdienst fern-
blieben und stattdessen Sonn- und Feiertags an
öffentlich abgehaltenen lutherischen Gottesdiensten
im Hause der Gebrüder Hoyer teilnahmen.

Unter dem 31. Oktober 1731 wurde das Emigra-
tionsedikt erlassen und am 11. November öffentlich
verkündet. Damit wurden alle diejenigen, welche
sich nicht zur katholischen Kirche bekehren ließen,
des Landes verwiesen. Als Gründe für die zwangs-
weise Vertreibung wurden Rebellion und Ketzerei
angeführt. In der Pflegschaft Saalfelden traf das
Edikt insgesamt 646 Personen, wobei die genaue
Anzahl der Emigranten aus Leogang nicht bekannt
ist. Aufnahme fanden die Salzburger Glaubens-
flüchtlinge in Ostpreußen und Holland, einige
wanderten sogar nach Nordamerika aus.

Schraubmedaille – sie zeigt den Weg einer
Salzburger Familie aus ihrer Heimat

Hoyer-Kreuz beim
Vorderrainbauer

Pfarrkirche 2004 mit eiserner
Kette als Attribut an den Hl.
Leonhard

In Augsburg fertigte man zum Gedenken an die
Emigranten aus echten Talern oder Medallien
kleine Schraubdosen, die in der Regel sorgfältig
kolorierte Miniaturbilderzyklen mit der Geschichte
der Salzburger Emigration enthielten. Das im Berg-
baumuseum Leogang gezeigte Exemplar einer
Schraubmedaille stammt aus der für derartige
Arbeiten berühmten Werkstatt des Abraham
Remshard in Augsburg. Das Avers (Vorderseite)
zeigt eine Familie auf dem Weg aus ihrer Salz-
burger Heimat. Gottvater selbst weist ihnen aus
den Wolken den Weg mit den Worten: „Gehe aus
Deinem Vatterland und von Deiner Feindschaft“.

Auf dem Revers (Rückseite) empfängt König
Friedrich Wilhelm 1. von Preußen in Begleitung
zweier Offiziere die Salzburger Emigranten. Das
Spruchband über dieser Szene lautet: „Die Könige
sollen Deine Pfleger sein“. Der Inhalt der Schraub-
medaille besteht aus siebzehn runden kolorierten
Kupferradierungen, die durch schmale Papierstege
miteinander verbunden sind und zusammengefaltet
genau in die Medaille passen. An den Innenseiten
der beiden Medaillenhälften befinden sich kleine
Karten vom „Erzstift Salzburg“ und vom „Herzog-
thum Lithauen“ (die Emigranten wurden jedoch im
preußischen Litauen angesiedelt). Die übrigen
Bilder zeigen beschriftete Szenen aus der Bibel und
Ereignisse aus der Geschichte des Protestantismus
in Salzburg.

Die durch die Vertreibung der Protestanten entstan-
denen Siedlungslücke füllten im Gegenzug katho-
lische Schwaben. Sie übernahmen die verlassenen
Höfe und verdingten sich als Knappen in den Berg-
werken. Etwa von 1740 bis 1790 erlebte das Erzstift
Salzburg, und mit diesem der Pinzgau, eine Zeit
des Friedens und des Aufschwungs. Die Bevölkerung
blieb von den häufig wütenden Epidemien, wie Pest
und schwarze Blattern, sowie von Naturkatastrophen
und den nachfolgenden Notzeiten weitgehend ver-
schont.

Zeugnisse der Volksfrömmigkeit, vor allem hin-
sichtlich der Schutzheiligen und Patrone im Bereich
des Bergbaues, sind die im 17. u. 18. Jahrhundert
begehrten und weit verbreiteten Klosterarbeiten.
Vorwiegend in Frauenklöstern beschäftigte man
sich damit, aus feinem Gold- oder vergoldeter
Silberdraht kunstvollen Zierrat zu gestalten. Vielfach
dienten die Schmuckformen kleinen gedruckten
Andachtsbildchen als prächtige Rahmung. In
jüngerer Zeit konnte diese kunsthandwerkliche
Technik in Leogang wiederbelebt werden und wird
dort heute in Kursen und Seminaren vermittelt.

Anläßlich seines Pastoralbesuches in Salzburg im
Jahre 1998 konnte Seiner Heiligkeit Papst Johannes
Paul II. eine in Leogang gefertigte Mitra überreicht
werden.

Kreuznagelreliquie,
18 Jhdt.

Klosterarbeit „Trösterlein“

Monstranz, Massivholz
vergoldet, 18. Jhdt.

Collage „Hl. Maria“ mit
Klosterarbeit

Klosterarbeit „Prager
Jesulein“
 

Mehr Informationen zur EUREGIO

Ein grenzüberschreitendes Projekt
aller Gemeinden an der Saalach
im Rahmen der EuRegio Salzburg -
Berchtesgadener Land - Traunstein
mit Unterstützung des Regional-
managements Pinzgau

Mehr Informationen zur REGPI

Gefördert von der
Europäischen Union
mit Mitteln aus dem
Europäischen Fond für
regionale Entwicklung
EFRE (INTERREG)

Bilder und Text: Franz Schned, Bischofs-
wiesen und L. Hohenwartner, Unken
Gestaltung: Claudia Birndorfer, Pocking
Druck: Fa. Seeleitner, Oberndorf
Umsetzung Web:
Chiemgau-Websites