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Neben der alten Saline Reichenhall entstanden um
1200 die neuen Salinen Dürrnberg-Hallein und
Berchtesgaden-Schellenberg. Schon nach kurzer
Zeit erstreckte sich der Salzbergbau auf dem
Dürrnberg unter Tag auf das Territorium der Fürst-
propstei Berchtesgaden. Berchtesgaden akzeptierte
diesen grenzüberschreitenden Bergbau, allerdings
nicht aus nachbarschaftlicher Freundlichkeit. Viel-
mehr war umgekehrt die Berchtesgadener Saline
Schellenberg auf einen Export über das Territorium
des Erzbischofs von Salzburg angewiesen. Mit den
Schiffen auf der Salzach erreichte das Halleiner
und das Berchtesgadener Salz spätestens in Burg-
hausen das Herzogtum Bayern, das den Transit
dieser Konkurrenzprodukte nach Passau, Linz und
weiter nach Böhmen gestattete.

Auch Bayern agierte nicht aus nachbarlicher Groß-
zügigkeit gegenüber Salzburg und Berchtesgaden.
Vielmehr war es Holz aus Salzburger und Berchtes-
gadener Wäldern im Pinzgau, das der Bayerischen
Saline Reichenhall ihren Betrieb ermöglichte. So
waren diese Rechte unauflöslich ineinander verwo-
ben, und die Fürsten, die Herzöge von Bayern, die
Erzbischöfe von Salzburg und die Fürstpröpste von
Berchtesgaden waren klug genug, trotz aller
sonstigen Streitereien im wirtschaftlichen Bereich
zum gegenseitigen Nutzen zu kooperieren.

Holzziehen mit Pferden

Holztransport mit Schlitten

Diese Kooperation funktionierte durch 600 Jahre
bis zum Jahr 1816. Und dann war alles anders:
Berchtesgaden wurde an Bayern, Salzburg an
Österreich angegliedert. Aufklärung, Französische
Revolution und Napoleonische Kriege hatten den
Territorialstaat, der innerhalb exakt bestimmter
Grenzen seine Souveränität unbeschränkt ausübt
und keine fremden Rechte duldet, zu der Weisheit
letzten Schluss erhoben, damit war das beschrie-
bene System gegenseitiger Abhängigkeiten nicht
vereinbar. Dementsprechend versuchten Hofkom-
missionen diese Rechte territorial auszugleichen.

Die Gnotschaft Oberau der Marktgemeinde
Berchtesgaden, unter deren Territorium sich der
grenzüberschreitende Salzbergbau Dürrnberg
erstreckte, sollte von Bayern an Österreich abge-
treten werden, der Großteil der Ortsgemeinde
Unken, in dem sich die nördlichsten Teile der
Reichenhaller Salinenwälder befanden, sollte von
Österreich an Bayern gelangen.

Diese Perspektive war für beide unbefriedigend.
Daher wurden der königlich bayerische Regierungs-
rat Thomas Knorr und der kaiserlichköniglich
österreichische Hofrat Franz Panzenberger als
Experten mit der Ausarbeitung eines Lösungsvor-
schlages betraut. Knorr und Panzenberger schoben
das Territorialprinzip beiseite und gelangten umge-
hend zu einer Lösung. Sie bestand darin, dass
keine Grenzkorrekturen notwendig waren, um
Österreich einen Zugang zum Salz unter bayer-
ischem und um Bayern einen Zugang zum Holz
über österreichischem Territorium zu ermöglichen.
Am 18. März 1829 wurde die Salinenkonvention
unterzeichnet. Nahezu 130 Jahre stand sie unver-
ändert in Kraft. Am 25. März 1958 setzten Bayern
und Österreich die erneuerte Konvention in Kraft.

Holzknechte bei der Arbeit

Ein Stück lebendiges Mittelalter zwischen Bayern,
Salzburg und Berchtesgaden.

Die Salinenkonvention von 1829 zwischen dem
Königreich Bayern und dem Kaisertum Österreich
gilt als der älteste, in Rechtskraft stehende
Staatsvertrag Europas, tatsächlich ist sie
wesentlich mehr:

Sie ist ein Stück lebendiges Mittelalter zwischen
Bayern, Salzburg und Berchtesgaden.

Vor 800 Jahren, in der Zeit um 1200, waren nicht
Territorialstaaten und ihre exakte Abgrenzung
wichtig. Wichtig waren Rechte: das Recht auf Holz,
das Recht auf Salz und das Recht auf Bauernhöfe
im Verband ihrer Grundherrschaft.
Auf den Schultern der Bauern, die diese Höfe
bewirtschafteten, ruhte die Macht der Fürsten.
Ohne Holz zum Verdampfen der Sole kein Salz,
ohne Salz keine Vorratswirtschaft, ohne Vorrats-
wirtschaft kein Bevölkerungswachstum, weil
Hungerkatastrophen immer wieder enge Grenzen
zogen.

Brettersägen
 

Mehr Informationen zur EUREGIO

Ein grenzüberschreitendes Projekt
aller Gemeinden an der Saalach
im Rahmen der EuRegio Salzburg -
Berchtesgadener Land - Traunstein
mit Unterstützung des Regional-
managements Pinzgau

Mehr Informationen zur REGPI

Gefördert von der
Europäischen Union
mit Mitteln aus dem
Europäischen Fond für
regionale Entwicklung
EFRE (INTERREG)

Bilder und Text: Franz Schned, Bischofs-
wiesen und L. Hohenwartner, Unken
Gestaltung: Claudia Birndorfer, Pocking
Druck: Fa. Seeleitner, Oberndorf
Umsetzung Web:
Chiemgau-Websites